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Richtig planen in der Krise

Wegen Corona leidet die Finanzlage vieler Firmen. Kurzfristig geht es darum, Liquidität zu sichern. Was jetzt nötig ist:

Bei vielen vor allem kleineren Betrieben ist das finanzielle Polster durch die Corona- Krise deutlich zusammengeschrumpft. Einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zufolge hat sich bei 42 Prozent der Unternehmen das Eigenkapital verringert. Rund 40 Prozent der Betriebe rechnen damit, dass sich „ihre finanziellen Engpässe vergrößern werden“, heißt es. Dies gelte insbesondere für Soloselbstständige und Kleinunternehmen. Jetzt gilt es, die Zahlungsfähigkeit der Betriebe zu sichern.

Unternehmensberater Jürgen Herzig aus Waiblingen gibt Tipps.

Wenn es nach Jürgen Herzig geht, hilft vor allem gute Planung. Die funktioniert nach Ansicht des Unternehmensberaters nur, wenn die Betriebsinhaber vernünftige Prognosen für die kommenden Wochen und Monate vorlegen. „Je nach Leidensdruck“, so Herzig, „sollten die Betriebe sehr eng planen.“ Denn es gebe nun mal einen Grundsatz in der Betriebswirtschaft: Das Bankkonto lügt nicht. Und wem da die flüssigen Mittel fehlen, der tue sich schwer, seine betrieblichen Tätigkeiten aufrecht zu erhalten. Nach Möglichkeit gilt es, bis zum Jahresende für verschiedene Szenarien eine Rentabilitätsprognose aufzustellen. Läuft es gut, mittelprächtig oder schlecht. Je nach Planungsverlauf müssen sich die Inhaber unter Umständen auf fehlende Mittel einstellen.

Kreditanträge möglichst schnell stellen

Ergibt sich am Ende eine finanzielle Lücke, heißt es zügig handeln – beispielsweise durch die Versorgung mit Fremdkapital. Noch lassen sich Kredite über die von der Bundesregierung bereitgestellten Sonderprogramme bei der KfW beantragen. Kreditanträge sollten aber schnell erfolgen, denn ab dem kommenden Jahr würden diese eher nicht mehr genehmigt. Das Schnellkredit-Programm laufe sowieso zum Jahresende aus und an in Not geratene Unternehmen würden dann mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum mehr Kredite ausgereicht.

„Jeder, der sich diese Mittel jetzt nicht besorgt, wird sie nächstes Jahr nicht mehr bekommen“, sagt Herzig.

Schlechte Bilanzen werden die Ratings schmälern und die Hausbanken, über die ein Kreditantrag laufen muss, werden im kommenden Jahr Kreditanträge mit mindestens derselben Strenge prüfen wie im laufenden Jahr. Schon jetzt haben Betriebe mit schlechten Ratings trotz Corona-Krise eher keine Kredite bekommen.

Deswegen rät Herzig dazu, sich schnellstmöglich darum zu kümmern. Denn das Fremdkapital kann helfen, notwendige Investitionen zu tätigen oder Vorfinanzierungen vorzunehmen, um Aufträge auszuführen und Durststrecken bis zum Ausgleich der Rechnungen zu überstehen.

Handwerker vergessen oft die rechtzeitige Rechnungsstellung und das Eintreiben ihrer Außenstände. Wer Forderungen hat, sollte jetzt erst recht darauf achten, dass diese zügig beglichen werden. Droht infolge von Corona eine Insolvenzwelle, wird es viele Firmen geben, die ihre Rechnungen nicht mehr begleichen können. Und darunter werden eben auch viele Kunden von Handwerkern sein. Das Forderungsmanagement erleichtert zum Beispiel eine zeitnahe Rechnungsstellung und ein Mahnwesen. Betriebe können Abschlagszahlungen anbieten oder Skonto bei kürzeren Zahlungszielen anbieten. Bei größeren Aufträgen empfiehlt sich vor dem Vertragsabschluss eine Bonitätsprüfung.

Eine weitere Möglichkeit, die Liquidität zu verbessern, liegt in einer Erhöhung des Eigenkapitals, auch wenn Herzig deren Potenzial derzeit als gering einschätzt. Krisenbedingt hat sich das Eigenkapital deutlich verringert, ein Aufbau ohne Kapitalgeber erscheint im Moment schwierig. Eventuell ließen sich dennoch im Netzwerk des Unternehmens neue Partner finden oder neue Gesellschafter mit ins Unternehmen aufnehmen. Auch Beteiligungsgesellschaften bieten sich möglicherweise als Geldgeber an. Ebenso müsse geprüft werden, ob Privatvermögen einsetzbar ist.

Unternehmensberater Herzig unterstreicht nochmal, wie wichtig Planung ist.

„Viele Betriebe unterschätzen das“, sagt Herzig. Mag sein, dass es trivial klinge, vorab vernünftig zu planen, doch vielen Handwerksmeistern fehle oft genug die Zeit dafür und manchmal eben auch die Kenntnisse. Junge Unternehmen hätten zudem noch keine Krise erlebt, so dass diese eventuell das Risiko fehlender Krisenplanung unterschätzen. Herzig empfiehlt deshalb, sich – auch als Sparringspartner – einen qualifizierten Berater zu suchen. Die Handwerkskammern seien hier immer eine gute Anlaufstelle. Auf sich allein gestellte Inhaber leideten oft unter Betriebsblindheit. Erfolgreiche Betriebe nutzen dagegen diese Möglichkeit.

Von Frank Muck | Quelle: Deutsche Handwerkszeitung Ausgabe 18 | September 2020